Eine bewegende Ka 2b – Geschichte von Jörg Beckmann (Krauti):

hier meldet sich ein Ka 2b Fan.

Ich habe ca. 1000 Starts auf der Ka 2b Werknummer 149.

Diese Ka 2b war mal in der Segelflugschule Juist und wurde in den 60er Jahren an den Luftsportverein Vienenburg e.V. verkauft. Da ich im März 1973 in diesem Verein eintrat, musste ich auf der D-6159 das Fliegen lernen. Ab 1983 habe ich dann als Fluglehrer anderen das Fliegen auf der Ka 2b beigebracht. Mein Kreuz spürt es heute noch. Trotz des ungefederten Rades flog ich sie lieber als die Ka 7, weil ich 1. der stolze Besitzer einer Ka 6 war und Holzflieger echt gut finde und 2. der Holzrumpf eben anheimelnder ist, als die Stahlrohre mit Stoff.

Zur Geschichte dieser Werk-Nr. kann ich nun folgendes beitragen: Wie gesagt, Baujahr 1956, ehemals Flugzeug der Flugschule Juist, dann im LSV Vienenburg. Der wurde Ende/in den 80er Jahren in LSV Goslar umbenannt, weil der Verein seit 1978 eben einen Flugplatz in Goslar, den Bollrich, hat.

Als ich 1973 eintrat war sie in Elfenbein mit orangeroten Warnflächen lackiert und hatte die alte Astralonhaube mit Stahlrohrgestell und Holzschürze am unteren Rahmen. Sie flog so gut, dass sie mir mit dem 66., 67. und 68. Start die A-Prüfung verschaffte. Da das ganze auf einem Sommerlager passierte, folgte die B 2 Tage später. Das Ding slippte ja von alleine.

Leider hatte die Ka 8 einen Unfall, sodass auch der C-Flug mit der Ka 2b ein Jahr später folgte. Wiederum ein Jahr später, Frühjahr 1974 erwarb ich dann den L I und wenig später den L II. Kennt ihr vielleicht noch. Den F-Schlepp machte ich bei 90° Seitenwind ein paar Wochen später in Lüchow-Rehbeck. Auch mit dem Ding.

Im Winter 73/74 oder 74/75 wurde sie grundüberholt. Dabei erhielt sie eine komplette orangefarbene Lackierung und die Schweizer Haube. Eigentlich sah sie so schrecklich aus. Das war uns Jungen aber egal. Irgendwann, weiß  nicht mehr wann genau, lackierten wir sie wieder weiß mit einer Twin-Astir Applikation, weil der inzwischen auch im Verein war. Geschult haben wir aber weiter mit der Ka 2b.

Als ich 1983 Anwärter war, genoss ich das Fliegen von hinten, auch wenn die Sicht besch... ist. Nur das ungefederte Rad macht uns allen etwas zu schaffen. Das Ding trudelt so gut, dass die Gefahreneinweisung einfach zu machen ist.

Trotzdem hege ich eine liebe Erinnerung an die D-6159, denn ich habe auch meine 1. Frau damit ausgebildet und zur A geführt. Da sie damals mit unserer Tochter schwanger war, kann man sich vorstellen welches Vertrauen ich sowohl in meine Frau als auch in die Ka 2b hatte.

Leider gibt es sie nicht mehr, die Ka 2b, meine ich.

In den Sommerferien 1990 war eine Truppe auf einem Sommerlager in Salzgitter Lebenstedt. Einer der Teilnehmer hatte noch den Platzadlerschein. Da sein Ehrgeiz noch durch eine andere Flugschülerin, die ebenfalls die 50 km fliegen sollte, angestachelt wurde, erhielt er den Flugauftrag für die 50 km. Da nichts anderes da war, eben mit der Ka 2b.

Sie flogen zusammen los, leider war das Wetter dann nun doch nicht so dolle. Nach ca. 20 km war die Thermik weg und die Schülerin legte eine schulmäßige Außenlandung hin. Der Platzadler aber wollte nun zeigen, was er kann und kurbelte, bis das Rad sich drehte. Er suchte sich den unlandbarsten Acker im Radius von 10 km aus.

Quer zum Wind, ansteigendes Gelände, Anflug über ein Dorf, im Anflug Pappeln, die durch eine Straßenlücke per S-Kurve umflogen werden mussten. Beim Abfangen gegen den Berg wurde er zu langsam. Ein Windböe drückte die rechte Fläche hoch und links ging es an den Boden. Bruch der linken Fläche in Höhe Querruderantrieb, beim Aufschlag des Rumpfes zerbarst der vollständig. Beplankung an der Kielleiste ab Formklotz hinterm Rad aufgerissen. Hauptspant mittig durchgebrochen und Trennspant zwischen vorderem und hinteren Sitz gebrochen. Kufenlager in den Rumpf gedrückt. Kurzum Totalschaden des Rumpfes. Es war kein Spant mehr heile, selbst die hier vorhandene Blechnase war abgeflogen. Die Sichtinspektion innen ergab einen tadellosen Zustand des Holzes. Obwohl sie auf Juist diverse Wasserlandungen im Salzwasser hatte. Das ist eben Schleicher-Qualität!

Sie hatte über 32.000 Starts auf dem Buckel.

Die Truppe, die los fuhr zum Abholen, musste meinen Ka 6 Wannenhänger noch nachfordern, weil der Rumpf nicht mehr auf dem Ka 2b Hänger transportiert werden konnte.

Ich schäme mich nicht der Tränen, als ich den Bruch auf dem Acker sah.

Das Beste war jedoch und deshalb schreibe ich es erst jetzt, dem Piloten ist nichts passiert. Gott sei Dank!

Abends haben wir sie dann zu Grabe gesoffen. Das meine ich so.

Pläne des Wiederaufbaus wurden geschmiedet. Aber nachdem der Kopf wieder klar war, wurde das aussichtlose Unterfangen in Frage gestellt. Lohnt sich das? Kann der Verein das bezahlen? Die Entscheidung wurde uns abgenommen. Da hatte jemand einen Ka 7 Rumpf ohne Flächen........

Ist schon mal gemacht worden. Die Lebenstedter hatten auch eine Ka 2b und eine Ka 7. Rocker haben die Halle abgefackelt. Zufällig waren der Ka 7 Rumpf und die Ka 2b Flächen aber in der Werkstatt an einem anderen Ort. So entstand die Ka 27 oder 72, wie Ihr wollt.

Ob der Typ nun die Flächen der 6159 an den Ka 7 Rumpf gebastelt hat, weiß ich leider nicht. Vielleicht doch und die Flächen streichen weiter durch die Luft...

Dieser Bruch führte letztendlich auch dazu, dass ich den Verein verlassen musste. Als Ausbildungsleiter, der den Überlandflug forcierte, war ein Sündenbock gefunden. Wäre der nicht überlandgeflogen, wäre der Unfall nicht passiert. Hätte der Ausbildungsleiter nicht gefordert, dass es keinen Platzadlerschein im Verein gibt.... (Der Platzadlerinhaber kam mit diesem PPL-C zum Verein). Ist lange her und vergessen. Das Verhältnis ist wieder o.k.

Wie es der Zufall will, hatte auch mein jetziger Verein, die LSG Fallersleben mal eine Ka 2b. Die beiden sind sogar 1974 zusammen in Wolfenbüttel stationiert gewesen. Inzwischen komme ich ab und zu nochmal wieder in den Genuss, eine Ka 2b zu fliegen, die D - 5533 aus Rheine, deren Mitinhaber Benno Beesten ist....